Eine gefühlte Niederlage

1. November 2009 | Von Christian S. | Kategorie: Der Bayer

Vor dem Auswärtsspiel auf Schalke hätte ich gesagt, dass ein 2:2 durchaus ein Ergebnis ist, mit dem man zufrieden sein kann. Schließlich ist Schalke 04 gut dabei, die Mannschaft von Felix Magath optimal eingestellt. Jetzt, einen Tag nach dem Spiel, bin ich natürlich alles andere als zufrieden. Denn für die Werkself aus Leverkusen war im Spitzenspiel des 11. Spieltags wesentlich mehr drin als ein läppischer Punkt.

In der ersten Halbzeit agierte Leverkusen souverän, in etwa so wie Jupp Heynckes und ich es uns vorstellen: Die Bayer-Mannschaft ließ Schalke nicht gefährlich vor das eigene Tor kommen und spielte selber teils sehr ansehendlich nach vorne. Besonders gefährlich waren – wie schon in den Spielen zuvor – die Standards, von denen gleich zwei zu Toren führen sollten. So erzielte der starke Toni Kroos in der 29. Minute mit einem wunderschönen Volleyschuss das 1:0 für die Werkself nach einem Eckstoß, bevor Stefan Kießling unter den wachsamen Augen von Bundestrainer Joachim Löw kurz vor der Pause auf 2:0 erhöhte. Vorausgegangen war hier ein schön getretener Freistoß von Barnetta.
Zur Halbzeit waren sich alle einig, für Schalke gibt es an diesem Abend nicht mehr viel zu holen. Vorausgesetzt, das Spiel läuft in der zweiten Halbzeit annähernd so weiter wie in Hälfte eins.

Das tat es allerdings nicht. Leverkusen ließ den Schwung aus der ersten Hälfte in der Kabine, wollte sich stattdessen lieber auf solide Abwehrarbeit und gefährliche Konter konzentrieren, was allerdings gehörig in die Hose gehen sollte. Denn zum einen waren die Konter in etwa so gefährlich wie frisch geschlüpfte Küken, zum anderen ließ die Abwehrarbeit nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Sami Hyypiä doch böse Erinnerungen an vergangene Zeiten wach werden. Ein ebenso glückliches wie grauseliges Stochertor durch Kevin Kuranyi in der 83. Minute und ein Kopfballtor durch den gerade mal 1,70 Meter großen Sanchez kurz vor Spielende, bei dem weder Lukas Sinkiewicz noch René Adler sonderlich gut aussahen, waren die unangenehme Folge.

Stimmen zum Spiel:
“Leverkusen ist die bisher beste Mannschaft, gegen die wir gespielt haben”, findet Felix Magath. “Nach dem 0:2 hatte ich wenig Hoffnung, dass wir nochmal so einen Kraftakt wie letzte Woche schaffen und das Ding noch drehen. Das hat die Mannschaft fantastisch gemacht, sie hat mit hoher Moral gefightet. Spielerisch waren wir aber nicht ebenbürtig.”

“Wir sind alle total enttäuscht. Wir haben eine tolle erste Halbzeit gespielt, aber dann unsere Konterchancen nicht genutzt und nicht mehr so gut kombiniert”, fast Rudi Völler richtig zusammen. “Gegen die Schalker muss man immer damit rechnen, dass sie mit einem Kraftakt und langen Bällen nochmal kommen. Es tut natürlich weh, es ist eine gefühlte Niederlage.”

“Wir sind hintenraus eingebrochen, waren kaputt”, erklärt René Adler. “Sicherlich haben wir am Ende zwei Punkte verschenkt.”

Und Toni Kroos sagt: “Es überwiegt die Enttäuschung, dass wir so ein Spiel noch aus der Hand geben. Für das Tor kann ich mir nichts kaufen.”

Gut und schlecht:
Sehr gut waren die Standards, von denen gleich zwei zu Toren führten. Schade, dass man aufgrund der Spielweise in Halbzeit zwei kaum mehr Standardsituationen erzwingen konnte.

Nicht gut war hingegen die Abwehr ohne Sami Hyypiä.

Die nackten Fakten des Spiels:
FC Schalke 04: Neuer – Höwedes, Zambrano, Bordon, Westermann, Moritz (67. Rakitic), Rafinha, Schmitz, Holtby (41. Sanchez), Farfan, Kuranyi
Bayer 04: Adler – Schwaab, M. Friedrich, Hyypiä (74. Sinkiewicz), Castro (61. Sarpei), Vidal, Reinartz, Barnetta (89. Bender), Kroos, Kießling, Derdiyok
Tore: 0:1 Kroos (29.), 0:2 Kießling (44.), 1:2 Kuranyi (83.), 2:2 Sanchez (88.)
Gelbe Karten: Farfan, Rafinha, Bordon – Schwaab, Reinartz
Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft -Veltins-Arena, Gelsenkirchen)

Mein Moment des Spiels:
Joachim Löw gibt in der Halbzeitpause bekannt, dass Stefan Kießling bei den nächsten beiden Testspielen der Nationalmannschaft zum Kader gehören wird. Hurra.

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3 Kommentare
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  1. Hab das ganze per Teletext-Ticker verfolgt. Beim 1:2 in der 84. ahnte ich schon böses. Und beim 2:2 habe ich schließlich geschimpft wie ein Rohrspatz… Mal wieder alte Schwächen die da auftauchen bei Bayer04…

  2. Ein wenig mulmig wurde es mir schon bei der Auswechslung von Sami Hyypiä. Immerhin scheint er sich nicht ernsthaft verletzt zu haben.


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